Lesung Kulturhaus Schwartzsche Villa Berlin

Das Buch und alles, was darum passiert, rüttelt mich durch. Jede Geschichte, die ich schreibe, ist mir wichtig, aber diese geht tiefer. Die Lesung im Kulturhaus Schwartzsche Villa in Berlin-Steglitz mit Jugendlichen in dem Alter, für das „Wo die Freiheit wächst“ vorgesehen ist. Das Haus war proppenvoll, meine Spannung extrem hoch. Nach der wundervollen Lesung in Köln mit Gerlis Zillgens und Maren Gottschalk konnte es doch nur noch schlechter werden. Würde es aber nicht. Anders wurde es, der Text war gekürzt, die Übergänge geändert. Der Applaus am Ende ist mehr als höflich, aber dann kommt es: das große Schweigen. Wenige Fragen, aber irgendwie doch noch gespannte Gesichter. Trotzdem wird abmoderiert, Autogrammkarten, signieren. Die Schülerinnen und Schüler gehen, doch dann kommt Birgit Murke, die Veranstalterin von der LIN LiteraturInitiative, und sagt: „Die stehen nich draußen und haben noch Fragen auf der Seele. Sie brauchten eine Verschnaufpause, mussten sich sammeln.“ Ich gehe sofort raus, wir setzen uns alle in den Biergarten und holen nach, was vorher zu kurz kam: Fragen voller Ernst, mit Tiefe, mit- und nach- und weitergedacht. Nicht nur zum Buch, auch zur Gestaltung der Lesung, ehrlich, mit Verbesserungsvorschlägen. Liebe Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums Lichterfelde, ihr habt mir einen tollen Tag bereitet!

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Don’t judge a book by its cover

Felicitas Horstschäfer bei der Arbeit

Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband – ein geflügeltes Wort im Englischen, wenn man davor warnen will, Dinge (oder auch Menschen) nur nach ihrem Äußeren zu be- oder gar zu verurteilen. Die Entwicklung des Covers ist ein entscheidender Schritt bei der Entstehung eines Buches. Das „falsche“ Cover und der falsche Titel haben wahrscheinlich schon manch gutes Buch untergehen lassen. Die falschen Erwartungen wurden geweckt, die Gefühle des Käufers oder der Käuferin nicht treffsicher angesprochen, es wurde kein guter Eyecatcher platziert oder sich zu sehr nach dem gerichtet, was schon viele vorher ausprobiert haben. Das Ergebnis ist so oder so meistens gleich: Das Buch bleibt liegen, wenn es nicht einen vehementen Fürsprecher findet und man diesem oder dieser auch Gehör schenkt. Ich habe Felicitas Horstschäfer gebeten, für diesen Blog etwas Entwurfsgeschichte für das Cover von Wo die Freiheit wächst zu schreiben:

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Große Freiheit auf kleiner Fahrt

Auszug aus Traudel Stroscheids Fahrtenbuch 1939-1946; Traudel konnte (wie Lene im Roman) Schreibmaschine schreiben und tippte ihre Berichte akkurat ab.
(Quelle: NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

Für uns ist es heute kaum noch nachzuempfinden, dass eine Wanderung durch das Siebengebirge zum Inbegriff von Freiheit werden könnte. Für die Edelweißpiraten der Kriegszeit war es das aber. Solche Wanderungen, gemeinsam mit anderen unangepassten Jugendlichen, die Gitarre vor dem Bauch, Wanderlieder singend, oft auch auf politisch heikle Weise umgedichtet, gehörten zu den wenigen Freizeitbeschäftigungen, die überhaupt noch möglich waren. Das galt besonders, wenn man an den Zeltlagern der Hitlerjugend und des BDM (Bund Deutscher Mädel) keinen Gefallen fand. „Hobbys“ oder Freizeitbeschäftigungen wie wir sie kennen, gab es sowieso kaum, hatte man doch entweder in der Schule, in der Ausbildung oder in Arbeits- und Erntediensten am Aufbau und Erhalt des Reiches mitzuwirken. Seit 1940 war auch durch eine Polizeiverordnung die Bewegungsfreiheit der Jugendlichen stark eingeschränkt.

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Unterrichtsmaterial zum Download

Wo die Freiheit wächst ist – so bestätigen es mittlerweile die ersten Leserinnen und Leser – ein emotional packender Roman. Aber es ist auch eine Möglichkeit sich gleich auf mehrfache Weise mit der Zeitgeschichte und auch mit der Erzählform eines Briefromans auseinanderzusetzen. Der Verlag arsEditon hat deshalb Begleitmaterial in Form von Unterrichtsmaterialien dazu herausgegeben. Die Autorinnen sind Jana Mikota von der Universität Siegen und Iris Wolf, die nicht nur als Lehrerin arbeitet, sondern mit buchwolf.com auch Verlage und andere Institutionen im Bereich der Leseförderung berät.

In den ausführlichen Materialien zur Gestaltung von Unterrichtseinheiten und Schulprojekten, die sowohl im Deutschunterricht als auch fächerübergreifend in Kombination mit dem Geschichtsunterricht zu nutzen sind, greifen sie insbesondere auch diesen Blog auf und nutzen diesen als modernes, den Jugendlichen vertrautes Medium. Damit schlagen sie den Bogen vom altmodischen Brief zu den heutigen Kommunikationsmitteln.
Hier geht es direkt zum Download.

Als die Bomben fielen – Kriegserleben

Nach einem Bombenangriff (Quelle: NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

Meine Mutter war am Ende des Zweiten Weltkriegs sieben Jahre alt. Über ihre Erzählungen und die Spuren, die die Erlebnisse in ihrem Leben und in dem unserer Familie hinterließen, habe ich im Beitrag Kriegskinder – Meine Mutter berichtet. Ähnliche und noch viel schlimmere Geschichten erlebten fast alle Bewohnerinnen und Bewohner der bombardierten Städte. Dazu gibt es viele Bilder, von denen auch hier einige zu sehen sind. Bilder des Grauens, der Verzweiflung, Bilder die Mitleid erwecken. Und Bilder, die eine fatale Ähnlichkeit haben, mit dem, was wir heute noch jeden Tag bin den Nachrichten sehen können.

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Das Zittern hat ein Ende – Kritiken

Heute ist ein besonderer Tag, denn die ersten Kritiken erscheinen. Wenn man sich als Autor, Künstler oder Musiker mit einem Werk an die Öffentlichkeit wagt, ist das immer eine Flanke, die man öffnet. Auch in einem lustigen Unterhaltungsroman für Kinder steckt immer etwas von dir, aber es gibt natürlich Herzblut-Projekte, um die man wirklich zittert. Wo die Freiheit wächst ist ein solches Projekt. Wie sehr es das ist, habe ich jedoch erst heute Morgen gespürt, als nicht nur im Kölner Stadtanzeiger als Titelgeschichte des Magazins mein Buch besprochen wurde, sondern auch der Deutschlandfunk Kultur eine Buchkritik brachte. Ich hatte Tränen in den Augen. Nicht nur vor Freude, weil es gute Kritiken waren. Vielmehr war es das Gefühl, verstanden worden zu sein. In dem Radiobeitrag werden genau die Punkte herausgearbeitet, an denen ich in zermürbender Kleinarbeit, alleine und mit meiner Lektorin Kerstin Kipker, getüftelt habe.

Ein bisschen wie wir Minsche us Kölle eben sin.

Kommentar einer Leserin aus Amazon

Aber auch die ersten Reaktionen von Leserinnen und Lesern machen Mut. „Frank Maria Reifenberg schafft es wunderbarerweise jeden Charakter in diesem Buch so authentisch wie möglich klingen zu lassen. Ich bin gebürtige Kölnerin und während des Lesens klang mir immer wieder der kölsche Singsang in die Ohren.“
Sicher wird auch harte und harsche Kritik kommen, das bleibt bei einem solchen Thema nicht aus. Und ich weiß, dass ich es den jugendlichen Lesern mit einem Briefroman nicht leicht mache. Aber ich weiß schon jetzt: Die Arbeit hat sich gelohnt.

Buchpräsentation & Edelweißpiratenfestival

Zur Einstimmung auf das »Edelweißpiratenfestival« stelle ich am Donnerstag, 4. Juli, 19 Uhr mein Buch „Wo die Freiheit wächst“ vor. Mit mir lesen meine Kolleginnen Gerlis Zillgens die Briefe von Lene und Maren Gottschalk die von Rosi. Die Moderation des Abends übernimmt Dr. Martin Rüther vom NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln. Ort: EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23-25
50667 Köln, Karten reservieren unter 0221/2212-6332 oder per E-Mail an nsdok@stadt-koeln.de – Preis: € 4,50 | ermäßigt: € 2,00

Am Sonntag geht es dann weiter mit dem Edelweißpiratenfestival 2019. Ein lebendiges Denkmal zu Ehren der unangepassten Jugend während der NS-Diktatur, mit 25 Bands auf fünf Parkbühnen. Lasst euch nicht das vielfältige, unangepasste Live-Musik-Programmentgehen, u.a. mit Keshavara, Slightly Rude, Mozah, Concious Culture, Mangoo Factory, Lüül & Band und vielen anderen. Zudem: Ausstellung, Zeitzeugencafé, Interviews, Infostände. Das Jahresthema lautet »Zuflucht Wald« und thematisiert sowohl die vielfältigen Beziehungen der freien bündischen Bewegung zur Natur, als auch die Rolle des Waldes, als Flucht- und Überlebensraum.
Veranstalter: Edelweißpiratenclub e.V. in Kooperation mit dem NS-
Dokumentationszentrum, Köln + Humba e.V. + Südstadtleben e.V. Gefördert von der Stadt Köln – Schirmherrin: OB Henriette Reker

Ausgerechnet ein Briefroman!?

Der Versuch beim Schreiben den Überblick zu bewahren.

Ausgerechnet ein Briefroman – das ist aber speziell!“, hab ich sogar selbst am Anfang gedacht, aber trotzdem fühlte sich diese Entscheidung richtig an. Der Text sollte wie aus dem Leben gegriffen wirken, eine direkte und ungeschminkte Wirklichkeit erzeugen, authentisch, fast dokumentarisch klingen. Dabei sollte er auch Raum für Gefühle und Gedanken haben, die uns – mit dem Abstand von mehreren Jahrzehnten – fremd sein könnten, die wir sogar ablehnen und bestenfalls aus dem Kontext des Zeitgeschehens an uns heranlassen würden. Beim Schreiben und später auch für die Leserinnen und Leser ein besonders hohes Maß an subjektivem Empfinden zu entwickeln, darum ging es mir und genau das kann ein Briefroman. 

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Wer es selbst erlebt hat – Zeitzeugen

Gertrud „Mucki Koch, Graffiti Bahnhof Köln Ehrenfeld, Gedenkstelle für die 1944 ermordeten Edelweißpiraten

Für den Roman waren die Erzählungen und Niederschriften von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von besonderer Bedeutung. Sie lieferten den ganz alltäglichen Blick auf das, was uns Geschichtsbücher und historische Abhandlungen in den großen Zusammenhang setzen. Es sind diese individuellen und authentischen Details, die der Fiktion eines Romans das „Fleisch“ verschaffen, die die erfundene Erzählung echt und wahrhaftig klingen lassen. Der Umgang mit solchen Quellen braucht jedoch einiges an Feingefühl und Vorsicht. Je größer der Abstand zum Erlebten ist, desto stärker sind Einflüsse von Dritten, die allgemeine, gesellschaftliche Betrachtung und nachträgliche Einordnung eines Themas für die Erinnerungen von Bedeutung. Das Gedächtnis schlägt uns ein Schnippchen oder Teile, uns vielleicht in der Nachbetrachtung unliebsame Episoden fallen der Verdrängung zum Opfer – durchaus ohne bösen Willen und manchmal vielleicht sogar als Überlebensstrategie.

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Kriegskinder – meine Mutter

Sonntagsspaziergang, Köln 1942 (von links: meine Großmutter, meine Mutter und mein Großvater)

In jedem Buch versteckt sich ein wenig von dir selbst. Oft ist es für niemand erkennbar oder nur deiner Mutter fällt es auf, weil sie ihren Sohn einfach am längsten kennt, auch viele seiner Geheimnisse, viele der Geschichten und Geschichtchen, die sich vielleicht nur Mütter merken. Manches Mal nimmt sie mich dann beiseite und sagte mit verschmitzter Miene: „Ich habe dein neues Buch gelesen, diese eine Sache dort, die verstehe nur ich!“

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