Betty-Reis-Buchpreis

Foto: Stefanie Leo (Quelle hier)

Solche Nachrichten bekommt man gerne: Der erste Preisträger des Betty-Reis-Buchpreises lautet Frank Maria Reifenberg, für seinen Briefroman „Wo die Freiheit wächst“. Fünf Titel hatten es auf die Shortlist geschafft, aus der dann Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Solingen den Gewinner aussuchten. Und das macht diesen Preis besonders: Diejenigen, für die ich das Buch geschrieben habe, mussten überzeugt werden. Ich sage einfach nur: DANKE! Es ist mir eine große Freude und Ehre, diesen Preis zu erhalten!

Betty Reis, die aus Wassenberg am Niederrhein stammte, wurde in Solingen in der Progrom-Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 erstmals verhaftet, kam wieder frei und wurde 1944 dann doch noch ins Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert und schließlich ermordet.

Die Betty-Reis-Gesellschaft will an ihr Schicksal erinnern und durch den Betty-Reis-Buchpreis dafür Sorge tragen, dass Kindern und Jugendlichen Menschlichkeit, Toleranz und Respekt vermittelt werden, um unsere Gesellschaft vor extremistischen und menschenfeindlichen Entwicklungen zu schützen.

(Quelle hier)

Digitale Autorenbegegnung Lichtenbergschule Darmstadt

Wenn man einen Teil seiner Freiheit verliert, muss man neue Wege gehen. Paula Hovy -Neddemeyer war mit ihren Schüler*innen der Lichtenbergschule Gymnasium Darmstadt schon beim Projekt „Viele Schulen, ein Buch dabei“ und ist anschließend drangeblieben – am Thema „Wo die Freiheit wächst“. Heute konnten wir mit über 30 Schüler*innen im Homeschooling mein Angebot der Digitalen Autorenbegegnung im Rahmen der Europawoche 2020 ausprobieren. Wenn die Schule und die Lehrer*innen in der digitalen Welt angekommen sind, geht das Konzept sehr gut auf.

Eine Lesung mit einer intensiven Fragerunde, drei tollen Moderatorinnen (Dank an Linda, Roya und Vivienne! Ihr habt einen richtig guten Job gemacht!) und sogar einer Frage, die mich fast ins Schleudern brachte: Welche drei Fakten sollte man über Sie kennen, Herr Reifenberg? Ja, welche? Ich musste einen Augenblick nachdenken, was man über mich wissen sollte und wahrscheinlich würde zwei Stunden später die Antwort schon wieder anders ausfallen.

Freiheit für auf die Ohren – Hörspiel

Ein klitzekleinesbisschen muss noch bearbeitet werden.

Soll man jammern? Nein, soll man nicht. Und man soll geduldig sein. Aber schon meine Mutter fand, dass Geduld nicht zu meinen Stärken gehört. Zuerst kam die Förderung der Film- und Medienstiftung NRW zur Bearbeitung des Romans als Hörspiel. Dann sagte der WDR verdammt schnell: Das wollen wir machen. Und zwar als Vierteiler. Oh. Mein erstes Hörspiel und dann gleich groß. Das Manuskript ist seit Anfang März fertig, mit der Redakteurin besprochen, mit der Regisseurin auch. Aber dann kam … Ich muss wohl nichts sagen. Auch bei einer Hörspielproduktion treffen Menschen aufeinander. Tröpfchen. Aerosole. Nicht jammern, Frank. Nächstes Jahr ist auch ein gutes Jahr für ein schönes Hörspiel. Aber ich habe doch auch schon Ideen für neue Stücke!?! Hörspiel macht mir total viel Spaß! Sch, still, pst. Geduld. Okay.

Lesungen in Zeiten der Freiheit

Nun sind Monate vergangen seit dem letzten Eintrag. Zuerst war es die absolute Arbeitsüberlastung, dann das Gegenteil. Corona räumte meinen Kalender ordentlich frei in diesem Jahr. Meine letzte öffentliche Lesung fand im NS Dokumentationszentrum in München statt. Ich bin froh, dass diese noch gelingen konnte. Und ich hoffe, dass ich bald wieder mit diesem Buch vor Leserinnen und Lesern stehen werde. Oder solchen, die es nach der Lesung werden, weil die Geschichte sie ergriffen hat. Dass die Frage danach „Wo die Freiheit wächst“ uns mit der Corona-Krise und den vielen Einschränkungen von Grundrechten so einholen würde, hat niemand gedacht. Die neuen Lesungen (an anderer Stelle dazu mehr) werden sich bestimmt auch um dieses Thema drehen.

Viele Schulen, ein Buch und ein trauriges Ende

Erste Ergebnisse der Kreativ-Workshops Projekt „Viele Schulen, ein Buch“.

Das Projekt „Viele Schulen, ein Buch“ fand dieses Jahr zum dritten Mal statt und es war mir eine riesengroße Ehre, dass die Redaktion Lesepunkte und das Zentrum für LehrerInnenbildung der Universität zu Köln ein Kölner Urgewächs, nämlich mein Buch „Wo die Freiheit wächst“, auserwählt hat. In sieben Schulen wurde intensiv zu dem Briefroman gearbeitet, zum Abschluss trafen sich alle in Köln, um ihre Arbeit noch einmal in Workshops und Präsentationen zu vertiefen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine Veranstaltung mit mir in der Uni sollte einer der vielen Höhepunkte sein. Sie fand unter der tollen Moderation des WDR-Journalisten Ulrich Noller (übrigens ein fleißiger Leser!) auch statt. Und am nächsten Tag kam die Nachricht, dass an einer beteiligten Schule der erste Coronafall aufgetaucht war. Das Projekt wurde abgebrochen.

Links der Autor, rechts Ulrich Noller

Ein paar Ergebnisse gab es aber, unter anderem die kleinen Kunstwerke der Collage oben, konnten noch „gesichert“ werden. Hier ein paar Eindrücke. Irgendwann wird man vielleicht auch noch ein bisschen mehr davon sehen können. Die Lichtenbergschule aus Darmstadt blieb auf jeden Fall am Ball. Dort werde ich zweimal im Rahmen von Digitalen Autorenbegegnungen zu Gast. Ich freue mich darauf.

Lesung Kulturhaus Schwartzsche Villa Berlin

Das Buch und alles, was darum passiert, rüttelt mich durch. Jede Geschichte, die ich schreibe, ist mir wichtig, aber diese geht tiefer. Die Lesung im Kulturhaus Schwartzsche Villa in Berlin-Steglitz mit Jugendlichen in dem Alter, für das „Wo die Freiheit wächst“ vorgesehen ist. Das Haus war proppenvoll, meine Spannung extrem hoch. Nach der wundervollen Lesung in Köln mit Gerlis Zillgens und Maren Gottschalk konnte es doch nur noch schlechter werden. Würde es aber nicht. Anders wurde es, der Text war gekürzt, die Übergänge geändert. Der Applaus am Ende ist mehr als höflich, aber dann kommt es: das große Schweigen. Wenige Fragen, aber irgendwie doch noch gespannte Gesichter. Trotzdem wird abmoderiert, Autogrammkarten, signieren. Die Schülerinnen und Schüler gehen, doch dann kommt Birgit Murke, die Veranstalterin von der LIN LiteraturInitiative, und sagt: „Die stehen nich draußen und haben noch Fragen auf der Seele. Sie brauchten eine Verschnaufpause, mussten sich sammeln.“ Ich gehe sofort raus, wir setzen uns alle in den Biergarten und holen nach, was vorher zu kurz kam: Fragen voller Ernst, mit Tiefe, mit- und nach- und weitergedacht. Nicht nur zum Buch, auch zur Gestaltung der Lesung, ehrlich, mit Verbesserungsvorschlägen. Liebe Schülerinnen und Schüler des Goethe-Gymnasiums Lichterfelde, ihr habt mir einen tollen Tag bereitet!

Don’t judge a book by its cover

Felicitas Horstschäfer bei der Arbeit

Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband – ein geflügeltes Wort im Englischen, wenn man davor warnen will, Dinge (oder auch Menschen) nur nach ihrem Äußeren zu be- oder gar zu verurteilen. Die Entwicklung des Covers ist ein entscheidender Schritt bei der Entstehung eines Buches. Das „falsche“ Cover und der falsche Titel haben wahrscheinlich schon manch gutes Buch untergehen lassen. Die falschen Erwartungen wurden geweckt, die Gefühle des Käufers oder der Käuferin nicht treffsicher angesprochen, es wurde kein guter Eyecatcher platziert oder sich zu sehr nach dem gerichtet, was schon viele vorher ausprobiert haben. Das Ergebnis ist so oder so meistens gleich: Das Buch bleibt liegen, wenn es nicht einen vehementen Fürsprecher findet und man diesem oder dieser auch Gehör schenkt. Ich habe Felicitas Horstschäfer gebeten, für diesen Blog etwas Entwurfsgeschichte für das Cover von Wo die Freiheit wächst zu schreiben:

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Große Freiheit auf kleiner Fahrt

Auszug aus Traudel Stroscheids Fahrtenbuch 1939-1946; Traudel konnte (wie Lene im Roman) Schreibmaschine schreiben und tippte ihre Berichte akkurat ab.
(Quelle: NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

Für uns ist es heute kaum noch nachzuempfinden, dass eine Wanderung durch das Siebengebirge zum Inbegriff von Freiheit werden könnte. Für die Edelweißpiraten der Kriegszeit war es das aber. Solche Wanderungen, gemeinsam mit anderen unangepassten Jugendlichen, die Gitarre vor dem Bauch, Wanderlieder singend, oft auch auf politisch heikle Weise umgedichtet, gehörten zu den wenigen Freizeitbeschäftigungen, die überhaupt noch möglich waren. Das galt besonders, wenn man an den Zeltlagern der Hitlerjugend und des BDM (Bund Deutscher Mädel) keinen Gefallen fand. „Hobbys“ oder Freizeitbeschäftigungen wie wir sie kennen, gab es sowieso kaum, hatte man doch entweder in der Schule, in der Ausbildung oder in Arbeits- und Erntediensten am Aufbau und Erhalt des Reiches mitzuwirken. Seit 1940 war auch durch eine Polizeiverordnung die Bewegungsfreiheit der Jugendlichen stark eingeschränkt.

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Unterrichtsmaterial zum Download

Wo die Freiheit wächst ist – so bestätigen es mittlerweile die ersten Leserinnen und Leser – ein emotional packender Roman. Aber es ist auch eine Möglichkeit sich gleich auf mehrfache Weise mit der Zeitgeschichte und auch mit der Erzählform eines Briefromans auseinanderzusetzen. Der Verlag arsEditon hat deshalb Begleitmaterial in Form von Unterrichtsmaterialien dazu herausgegeben. Die Autorinnen sind Jana Mikota von der Universität Siegen und Iris Wolf, die nicht nur als Lehrerin arbeitet, sondern mit buchwolf.com auch Verlage und andere Institutionen im Bereich der Leseförderung berät.

In den ausführlichen Materialien zur Gestaltung von Unterrichtseinheiten und Schulprojekten, die sowohl im Deutschunterricht als auch fächerübergreifend in Kombination mit dem Geschichtsunterricht zu nutzen sind, greifen sie insbesondere auch diesen Blog auf und nutzen diesen als modernes, den Jugendlichen vertrautes Medium. Damit schlagen sie den Bogen vom altmodischen Brief zu den heutigen Kommunikationsmitteln.
Hier geht es direkt zum Download.

Als die Bomben fielen – Kriegserleben

Nach einem Bombenangriff (Quelle: NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

Meine Mutter war am Ende des Zweiten Weltkriegs sieben Jahre alt. Über ihre Erzählungen und die Spuren, die die Erlebnisse in ihrem Leben und in dem unserer Familie hinterließen, habe ich im Beitrag Kriegskinder – Meine Mutter berichtet. Ähnliche und noch viel schlimmere Geschichten erlebten fast alle Bewohnerinnen und Bewohner der bombardierten Städte. Dazu gibt es viele Bilder, von denen auch hier einige zu sehen sind. Bilder des Grauens, der Verzweiflung, Bilder die Mitleid erwecken. Und Bilder, die eine fatale Ähnlichkeit haben, mit dem, was wir heute noch jeden Tag bin den Nachrichten sehen können.

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