Als die Bomben fielen – Kriegserleben

Nach einem Bombenangriff (Quelle: NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

Meine Mutter war am Ende des Zweiten Weltkriegs sieben Jahre alt. Über ihre Erzählungen und die Spuren, die die Erlebnisse in ihrem Leben und in dem unserer Familie hinterließen, habe ich im Beitrag Kriegskinder – Meine Mutter berichtet. Ähnliche und noch viel schlimmere Geschichten erlebten fast alle Bewohnerinnen und Bewohner der bombardierten Städte. Dazu gibt es viele Bilder, von denen auch hier einige zu sehen sind. Bilder des Grauens, der Verzweiflung, Bilder die Mitleid erwecken. Und Bilder, die eine fatale Ähnlichkeit haben, mit dem, was wir heute noch jeden Tag bin den Nachrichten sehen können.

Lesung am 4. Juli 2019 (Foto: Stefanie Leo)

Krieg hat immer das eine und bleibende Gesicht und es unterscheidet sich nur darin, dass wir es heute in Farbe sehen. In der Zeit als ich recherchierte tobte besonders der Krieg in Syrien. Während ich Interviews der Erlebten Geschichte hörte, flimmerten die Bilder des zerstörten Aleppo über die Bildschirme. Die Intensität des Textes von Wo die Freiheit wächst rührt in meinen Augen auch daher. Es sind Gefühle, die jetzt wieder aufsteigen, besonders, seit ich die ersten Reaktionen der Leserinnen und Leser bekomme. Nach der Vorstellung des Buches im NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln (Bericht eines Besuchers hier) verharrten die Zuhörer minutenlang völlig schweigend. Maren Gottschalk und Gerlis Zillgens, die für mich die Briefe von Rosi und Lene gelesen hatten, erweckten das, was zwischen den Zeilen stand mit ihrer Vortragskunst zum Leben, so sehr, dass es mich selbst schauderte. An manchen Stellen erschloss sich mir mein eigener Text, den ich doch wieder und wieder bearbeitet hatte, ganz neu. Mittlerweile glaube ich, dass Worte letztendlich die viel bessere Ausdrucksform sind, um zu überliefern, was wir eigentlich oft für unaussprechbar halten.

Besonders eindrucksvoll erlebt man dies auch in einer kleinen Sammlung von Schulaufsätzen, die mich nachhaltig bewegt hat. Schülerinnen waren nach dem Peter-und-Paul-Angriff am 29. Juni 1943 aufgefordert worden, ihre Erlebnisse aufzuschreiben. Diese sehr kurz nach der Katastrophe aufgeschriebenen Berichte geben unverfälscht und direkt wieder, was die jungen Mädchen erlebten und was sie fühlten. Das NS DOK hat sie digitalisiert und hier veröffentlicht.
Auch hier gilt jedoch wieder: All das Grauen hatte einen Ursprung und der lag in Deutschland und den Deutschen, die zu einem großen Teil bis zum bitteren Ende das Regime gestützt und von der Entrechtung der verfolgten Gruppen profitiert haben. Für uns sollte die Lehre nicht nur sein, „Nie wieder Krieg!“ zu rufen, sondern auch frühzeitig der Hassrede und Propaganda gegen Menschen, die anders aussehen, anders lieben, anders glauben zu widerstehen und zu widersprechen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s