Don’t judge a book by its cover

Felicitas Horstschäfer bei der Arbeit

Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband – ein geflügeltes Wort im Englischen, wenn man davor warnen will, Dinge (oder auch Menschen) nur nach ihrem Äußeren zu be- oder gar zu verurteilen. Die Entwicklung des Covers ist ein entscheidender Schritt bei der Entstehung eines Buches. Das „falsche“ Cover und der falsche Titel haben wahrscheinlich schon manch gutes Buch untergehen lassen. Die falschen Erwartungen wurden geweckt, die Gefühle des Käufers oder der Käuferin nicht treffsicher angesprochen, es wurde kein guter Eyecatcher platziert oder sich zu sehr nach dem gerichtet, was schon viele vorher ausprobiert haben. Das Ergebnis ist so oder so meistens gleich: Das Buch bleibt liegen, wenn es nicht einen vehementen Fürsprecher findet und man diesem oder dieser auch Gehör schenkt. Ich habe Felicitas Horstschäfer gebeten, für diesen Blog etwas Entwurfsgeschichte für das Cover von Wo die Freiheit wächst zu schreiben:

Ich bin Felicitas Horstschäfer, Illustratorin und Grafikerin aus Berlin und habe in den letzten 10 Jahren für viele deutsche Verlage Cover illustriert.
Ein Bild zu finden, das für eine ganze Geschichte steht, reizt mich sehr und wird nie langweilig. Jedes Buch kommt mit neuen Geschcihten und Protagonisten daher, die andere Bildwelten brauchen. Mein Stil variiert daher, je nachdem wonach die Geschichte verlangt.
Mitte Oktober 2018 bekam ich eine Email vom Verlag arsEdition. Man habe ein ganz besonderes Buch auf dem Tisch, das im kommenden Herbst erscheinen werde. Es gehe um die Edelweißpiraten. Ein aufwendig recherchierter Briefroman über den Widerstand in Köln im 2. Weltkrieg, geschrieben von Frank Maria Reifenberg.
Das klang spannend, besonders weil die Zielgruppe (14+) und das Themenfeld (2. Weltkrieg, Widerstand) mich gestalterisch ziemlich herausgefordert und interessiert haben.

Das Briefing, das es zu Beginn eines jeden Projekts gibt, war hier relativ offen. Wichtig war dem Verlag, dass das Buch nicht zu düster daherkommt und sich von anderen Titeln im Feld abhebt, die oft auf Lösungen mit s/w-Fotos, oft aus der damaligen Zeit, setzen. Daher auch die Idee, mit einer Illustration zu arbeiten. Stilistisch und die Bildidee betreffend gab es keine Vorgaben – für mich ideale Voraussetzungen.
Ich versuche bei jedem Projekt, zuerst eine Idee für die Stimmung der Geschichte und ihre Hauptfiguren zu bekommen. Viele Bildideen auf Cover, die ich gestalte, fußen auf Szenen aus dem Buch. Manchmal arbeite ich dabei sehr szenisch konkret, manchmal versuche ich nur die Stimmung einzufangen. In jedem Fall muss ich ein Gefühl für den Text haben, um ein stimmiges Cover gestalten zu können. Daher lese ich jedes Buch, das ich bearbeite. Manchmal liegt die Übersetzung noch nicht vor, oder es ist noch nicht fertig geschrieben. Dann bekomme ich aber zumindest eine Leseprobe und eine Plot-Beschreibung.
Beim Lesen mache ich mir Notizen oder kritzle schon mal Ideen an den Rand. Stichworte und Bilder mit denen ich bei diesem Projekt jongliert habe waren:
Schreibmaschine, Köln, Abenteuer, Edelweißpiraten, Gemeinschaft, Bomber, Freundschaft.

Daraus entstanden drei Ansätze, die ich in daumengroße Bleistiftskizzen festgehalten habe, um den groben Aufbau klar zu kriegen. Das mache ich immer in ganz klein, um mich nicht in Details zu verliere.
Im nächsten Schritt traf ich eine Auswahl. Ein bis drei Ideen präsentiere ich dem Verlag meist als farbige Skizzen.
Die Schreibmaschinen-Idee war sowohl Favorit des Verlags, als auch meiner :-). Man bat mich auf die Figuren zugunsten eines größeren Titels zu verzichten und wir probierten noch eine andere Farbigkeit aus, bis wir dann zu dem Cover kamen, das jetzt das visuelle Gesicht des Buches ist.

Anmerkung des Autors: Felicitas, du hast das sehr, sehr toll gemacht, was bisher auch die Leser*nnen bestätigen. Das Cover rege sehr an, sei emotional und absolut passend zum Buch. In diesem Fall: Judge the book by its cover! So sieht nun das fertige Buch aus.

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