Don’t judge a book by its cover

Felicitas Horstschäfer bei der Arbeit

Beurteile ein Buch nicht nach seinem Einband – ein geflügeltes Wort im Englischen, wenn man davor warnen will, Dinge (oder auch Menschen) nur nach ihrem Äußeren zu be- oder gar zu verurteilen. Die Entwicklung des Covers ist ein entscheidender Schritt bei der Entstehung eines Buches. Das „falsche“ Cover und der falsche Titel haben wahrscheinlich schon manch gutes Buch untergehen lassen. Die falschen Erwartungen wurden geweckt, die Gefühle des Käufers oder der Käuferin nicht treffsicher angesprochen, es wurde kein guter Eyecatcher platziert oder sich zu sehr nach dem gerichtet, was schon viele vorher ausprobiert haben. Das Ergebnis ist so oder so meistens gleich: Das Buch bleibt liegen, wenn es nicht einen vehementen Fürsprecher findet und man diesem oder dieser auch Gehör schenkt. Ich habe Felicitas Horstschäfer gebeten, für diesen Blog etwas Entwurfsgeschichte für das Cover von Wo die Freiheit wächst zu schreiben:

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Ausgerechnet ein Briefroman!?

Der Versuch beim Schreiben den Überblick zu bewahren.

Ausgerechnet ein Briefroman – das ist aber speziell!“, hab ich sogar selbst am Anfang gedacht, aber trotzdem fühlte sich diese Entscheidung richtig an. Der Text sollte wie aus dem Leben gegriffen wirken, eine direkte und ungeschminkte Wirklichkeit erzeugen, authentisch, fast dokumentarisch klingen. Dabei sollte er auch Raum für Gefühle und Gedanken haben, die uns – mit dem Abstand von mehreren Jahrzehnten – fremd sein könnten, die wir sogar ablehnen und bestenfalls aus dem Kontext des Zeitgeschehens an uns heranlassen würden. Beim Schreiben und später auch für die Leserinnen und Leser ein besonders hohes Maß an subjektivem Empfinden zu entwickeln, darum ging es mir und genau das kann ein Briefroman. 

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Wer es selbst erlebt hat – Zeitzeugen

Gertrud „Mucki Koch, Graffiti Bahnhof Köln Ehrenfeld, Gedenkstelle für die 1944 ermordeten Edelweißpiraten

Für den Roman waren die Erzählungen und Niederschriften von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von besonderer Bedeutung. Sie lieferten den ganz alltäglichen Blick auf das, was uns Geschichtsbücher und historische Abhandlungen in den großen Zusammenhang setzen. Es sind diese individuellen und authentischen Details, die der Fiktion eines Romans das „Fleisch“ verschaffen, die die erfundene Erzählung echt und wahrhaftig klingen lassen. Der Umgang mit solchen Quellen braucht jedoch einiges an Feingefühl und Vorsicht. Je größer der Abstand zum Erlebten ist, desto stärker sind Einflüsse von Dritten, die allgemeine, gesellschaftliche Betrachtung und nachträgliche Einordnung eines Themas für die Erinnerungen von Bedeutung. Das Gedächtnis schlägt uns ein Schnippchen oder Teile, uns vielleicht in der Nachbetrachtung unliebsame Episoden fallen der Verdrängung zum Opfer – durchaus ohne bösen Willen und manchmal vielleicht sogar als Überlebensstrategie.

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89 Briefe werden ein Roman

Franz an Lene am 12. Mai 1942 (S. 90)

Bei den meisten Büchern erinnere ich mich nicht daran, wann und warum ich mich für eine bestimmte Form, Erzählstimme und Perspektive entschieden habe. Das ist oft intuitiv, ergibt sich aus ersten Schreibversuchen, manchmal ist es eine Kernszene, die sich aufdrängt und mir den Stil fast vorgibt. In diesem Fall ist es anders. Ich habe den Moment noch genau vor Augen, als diese Entscheidung fiel. Ich saß an einem der PCs in der Bibliothek des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln und hörte Tondokumente von Zeitzeugen ab. Ich war noch unsicher, wie ich mit dem Thema, dass ich mir vorgenommen hatte, umgehen sollte.

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