Große Freiheit auf kleiner Fahrt

Auszug aus Traudel Stroscheids Fahrtenbuch 1939-1946; Traudel konnte (wie Lene im Roman) Schreibmaschine schreiben und tippte ihre Berichte akkurat ab.
(Quelle: NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

Für uns ist es heute kaum noch nachzuempfinden, dass eine Wanderung durch das Siebengebirge zum Inbegriff von Freiheit werden könnte. Für die Edelweißpiraten der Kriegszeit war es das aber. Solche Wanderungen, gemeinsam mit anderen unangepassten Jugendlichen, die Gitarre vor dem Bauch, Wanderlieder singend, oft auch auf politisch heikle Weise umgedichtet, gehörten zu den wenigen Freizeitbeschäftigungen, die überhaupt noch möglich waren. Das galt besonders, wenn man an den Zeltlagern der Hitlerjugend und des BDM (Bund Deutscher Mädel) keinen Gefallen fand. „Hobbys“ oder Freizeitbeschäftigungen wie wir sie kennen, gab es sowieso kaum, hatte man doch entweder in der Schule, in der Ausbildung oder in Arbeits- und Erntediensten am Aufbau und Erhalt des Reiches mitzuwirken. Seit 1940 war auch durch eine Polizeiverordnung die Bewegungsfreiheit der Jugendlichen stark eingeschränkt.

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Als die Bomben fielen – Kriegserleben

Nach einem Bombenangriff (Quelle: NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

Meine Mutter war am Ende des Zweiten Weltkriegs sieben Jahre alt. Über ihre Erzählungen und die Spuren, die die Erlebnisse in ihrem Leben und in dem unserer Familie hinterließen, habe ich im Beitrag Kriegskinder – Meine Mutter berichtet. Ähnliche und noch viel schlimmere Geschichten erlebten fast alle Bewohnerinnen und Bewohner der bombardierten Städte. Dazu gibt es viele Bilder, von denen auch hier einige zu sehen sind. Bilder des Grauens, der Verzweiflung, Bilder die Mitleid erwecken. Und Bilder, die eine fatale Ähnlichkeit haben, mit dem, was wir heute noch jeden Tag bin den Nachrichten sehen können.

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Mädchen finden nicht statt

Foto: NSDOK KölnMülheimer Edelweißpiraten 1943 am Drachenfels

Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist männlich. Dieser Eindruck entsteht schnell, wenn man sich mit den Personen und Gruppen beschäftigt, die es wagten „dagegen“ zu sein oder sich zumindest nicht bedingungslos der nationalsozialistischen Ideologie und ihren schrecklichen Folgen zu unterwerfen. Es ist aber ein falscher Eindruck und mir war schnell klar, dass ich mit meiner Geschichte den Blick auf die Frauen oder Mädchen werfen wollte.

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Das Edelweiß war ihr Zeichen

Edelweiß-Graffiti am Bahnhof Ehrenfeld, Hinrichtungsort von Edelweißpiraten, November 1944 (Foto: priv.)

Die unangepassten Jugendlichen, die besonders im Rheinland als Edelweißpiraten bekannt wurden, waren mit dieser Betitelung nicht alle glücklich. Anfangs benutzten sie selbst die Bezeichnung auch gar nicht, obwohl sie durchaus das Edelweiß als ihr Zeichen ansahen. Den zweiten Teil des Wortes, „Piraten“, hatten ihnen nämlich die nationalsozialistischen Behörden angehängt. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass sie die Mitglieder dieser Gruppen als kriminelle, gesetzlose Abweichler betrachteten.
Was wir heute unter dem Begriff Edelweißpiraten verkürzend zusammenfassen, waren in der Zeit des Dritten Reichs vielgestaltige Gruppen und Grüppchen, meistens nicht besonders organisiert, die drei aber Merkmale vereinte:

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