Kriegskinder – mein Vater

Den letzten Brief seiner Mutter hielt Onkel Otto in der Hand, als er im Lazarett in der Nähe von Charkiw (Ukraine) starb. Mit Bleistift schrieb er noch eine Nachricht darauf, bis heute hat sie niemand entziffern können.

Mein Vater, geb. 1931, wuchs in Bettorf, einem kleinen Weiler in der Nähe meines Heimatdorfes Friesenhagen auf. Der Krieg war für ihn selbst in weiter Ferne, seine Spuren hinterließ er jedoch auch in dieser Familie. Diese Spuren sollten sich viele Jahre später für mich als besonders wichtig und prägend erweisen.
Über diese Zeit zu sprechen, das fiel meinem Vater immer schwer. Besonders, wenn es um meinen Onkel Otto, in der Familie liebevoll „Männi“ genannt, ging, wallten die Gefühle in ihm auf.

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Mädchen finden nicht statt

Foto: NSDOK KölnMülheimer Edelweißpiraten 1943 am Drachenfels

Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist männlich. Dieser Eindruck entsteht schnell, wenn man sich mit den Personen und Gruppen beschäftigt, die es wagten „dagegen“ zu sein oder sich zumindest nicht bedingungslos der nationalsozialistischen Ideologie und ihren schrecklichen Folgen zu unterwerfen. Es ist aber ein falscher Eindruck und mir war schnell klar, dass ich mit meiner Geschichte den Blick auf die Frauen oder Mädchen werfen wollte.

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Das Edelweiß war ihr Zeichen

Edelweiß-Graffiti am Bahnhof Ehrenfeld, Hinrichtungsort von Edelweißpiraten, November 1944 (Foto: priv.)

Die unangepassten Jugendlichen, die besonders im Rheinland als Edelweißpiraten bekannt wurden, waren mit dieser Betitelung nicht alle glücklich. Anfangs benutzten sie selbst die Bezeichnung auch gar nicht, obwohl sie durchaus das Edelweiß als ihr Zeichen ansahen. Den zweiten Teil des Wortes, „Piraten“, hatten ihnen nämlich die nationalsozialistischen Behörden angehängt. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass sie die Mitglieder dieser Gruppen als kriminelle, gesetzlose Abweichler betrachteten.
Was wir heute unter dem Begriff Edelweißpiraten verkürzend zusammenfassen, waren in der Zeit des Dritten Reichs vielgestaltige Gruppen und Grüppchen, meistens nicht besonders organisiert, die drei aber Merkmale vereinte:

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Vorablesen auf vorablesen.de

Noch fünf Tage, um sich um ein Freiexemplar zu bewerben!

Der Erscheinungstermin des Buches rückt näher, die Aufregung beim Autor wächst. Ich schreibe seit 20 Jahren. Es ist immer wieder aufregend, wenn ein neues Buch erscheint. Dieses Mal ist es aber mehr als aufregend. Seit ein paar Wochen, als ich die endgültigen Satzfahnen abgezeichnet habe, wächst da ein Gefühl, das tiefer geht. Ein mulmiges Gefühl. Vielleicht ein bisschen Angst? Wo die Freiheit wächst ist anders, geht deutlich tiefer. Wenn man über vier Jahre einen solchen Stoff in sich trägt, gibt es wunde Stellen, die getroffen werden können.

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89 Briefe werden ein Roman

Franz an Lene am 12. Mai 1942 (S. 90)

Bei den meisten Büchern erinnere ich mich nicht daran, wann und warum ich mich für eine bestimmte Form, Erzählstimme und Perspektive entschieden habe. Das ist oft intuitiv, ergibt sich aus ersten Schreibversuchen, manchmal ist es eine Kernszene, die sich aufdrängt und mir den Stil fast vorgibt. In diesem Fall ist es anders. Ich habe den Moment noch genau vor Augen, als diese Entscheidung fiel. Ich saß an einem der PCs in der Bibliothek des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln und hörte Tondokumente von Zeitzeugen ab. Ich war noch unsicher, wie ich mit dem Thema, dass ich mir vorgenommen hatte, umgehen sollte.

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