Das Zittern hat ein Ende – Kritiken

Heute ist ein besonderer Tag, denn die ersten Kritiken erscheinen. Wenn man sich als Autor, Künstler oder Musiker mit einem Werk an die Öffentlichkeit wagt, ist das immer eine Flanke, die man öffnet. Auch in einem lustigen Unterhaltungsroman für Kinder steckt immer etwas von dir, aber es gibt natürlich Herzblut-Projekte, um die man wirklich zittert. Wo die Freiheit wächst ist ein solches Projekt. Wie sehr es das ist, habe ich jedoch erst heute Morgen gespürt, als nicht nur im Kölner Stadtanzeiger als Titelgeschichte des Magazins mein Buch besprochen wurde, sondern auch der Deutschlandfunk Kultur eine Buchkritik brachte. Ich hatte Tränen in den Augen. Nicht nur vor Freude, weil es gute Kritiken waren. Vielmehr war es das Gefühl, verstanden worden zu sein. In dem Radiobeitrag werden genau die Punkte herausgearbeitet, an denen ich in zermürbender Kleinarbeit, alleine und mit meiner Lektorin Kerstin Kipker, getüftelt habe.

Ein bisschen wie wir Minsche us Kölle eben sin.

Kommentar einer Leserin aus Amazon

Aber auch die ersten Reaktionen von Leserinnen und Lesern machen Mut. „Frank Maria Reifenberg schafft es wunderbarerweise jeden Charakter in diesem Buch so authentisch wie möglich klingen zu lassen. Ich bin gebürtige Kölnerin und während des Lesens klang mir immer wieder der kölsche Singsang in die Ohren.“
Sicher wird auch harte und harsche Kritik kommen, das bleibt bei einem solchen Thema nicht aus. Und ich weiß, dass ich es den jugendlichen Lesern mit einem Briefroman nicht leicht mache. Aber ich weiß schon jetzt: Die Arbeit hat sich gelohnt.

Buchpräsentation & Edelweißpiratenfestival

Zur Einstimmung auf das »Edelweißpiratenfestival« stelle ich am Donnerstag, 4. Juli, 19 Uhr mein Buch „Wo die Freiheit wächst“ vor. Mit mir lesen meine Kolleginnen Gerlis Zillgens die Briefe von Lene und Maren Gottschalk die von Rosi. Die Moderation des Abends übernimmt Dr. Martin Rüther vom NS Dokumentationszentrum der Stadt Köln. Ort: EL-DE-Haus, Appellhofplatz 23-25
50667 Köln, Karten reservieren unter 0221/2212-6332 oder per E-Mail an nsdok@stadt-koeln.de – Preis: € 4,50 | ermäßigt: € 2,00

Am Sonntag geht es dann weiter mit dem Edelweißpiratenfestival 2019. Ein lebendiges Denkmal zu Ehren der unangepassten Jugend während der NS-Diktatur, mit 25 Bands auf fünf Parkbühnen. Lasst euch nicht das vielfältige, unangepasste Live-Musik-Programmentgehen, u.a. mit Keshavara, Slightly Rude, Mozah, Concious Culture, Mangoo Factory, Lüül & Band und vielen anderen. Zudem: Ausstellung, Zeitzeugencafé, Interviews, Infostände. Das Jahresthema lautet »Zuflucht Wald« und thematisiert sowohl die vielfältigen Beziehungen der freien bündischen Bewegung zur Natur, als auch die Rolle des Waldes, als Flucht- und Überlebensraum.
Veranstalter: Edelweißpiratenclub e.V. in Kooperation mit dem NS-
Dokumentationszentrum, Köln + Humba e.V. + Südstadtleben e.V. Gefördert von der Stadt Köln – Schirmherrin: OB Henriette Reker

Ausgerechnet ein Briefroman!?

Der Versuch beim Schreiben den Überblick zu bewahren.

Ausgerechnet ein Briefroman – das ist aber speziell!“, hab ich sogar selbst am Anfang gedacht, aber trotzdem fühlte sich diese Entscheidung richtig an. Der Text sollte wie aus dem Leben gegriffen wirken, eine direkte und ungeschminkte Wirklichkeit erzeugen, authentisch, fast dokumentarisch klingen. Dabei sollte er auch Raum für Gefühle und Gedanken haben, die uns – mit dem Abstand von mehreren Jahrzehnten – fremd sein könnten, die wir sogar ablehnen und bestenfalls aus dem Kontext des Zeitgeschehens an uns heranlassen würden. Beim Schreiben und später auch für die Leserinnen und Leser ein besonders hohes Maß an subjektivem Empfinden zu entwickeln, darum ging es mir und genau das kann ein Briefroman. 

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Wer es selbst erlebt hat – Zeitzeugen

Gertrud „Mucki Koch, Graffiti Bahnhof Köln Ehrenfeld, Gedenkstelle für die 1944 ermordeten Edelweißpiraten

Für den Roman waren die Erzählungen und Niederschriften von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von besonderer Bedeutung. Sie lieferten den ganz alltäglichen Blick auf das, was uns Geschichtsbücher und historische Abhandlungen in den großen Zusammenhang setzen. Es sind diese individuellen und authentischen Details, die der Fiktion eines Romans das „Fleisch“ verschaffen, die die erfundene Erzählung echt und wahrhaftig klingen lassen. Der Umgang mit solchen Quellen braucht jedoch einiges an Feingefühl und Vorsicht. Je größer der Abstand zum Erlebten ist, desto stärker sind Einflüsse von Dritten, die allgemeine, gesellschaftliche Betrachtung und nachträgliche Einordnung eines Themas für die Erinnerungen von Bedeutung. Das Gedächtnis schlägt uns ein Schnippchen oder Teile, uns vielleicht in der Nachbetrachtung unliebsame Episoden fallen der Verdrängung zum Opfer – durchaus ohne bösen Willen und manchmal vielleicht sogar als Überlebensstrategie.

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Kriegskinder – meine Mutter

Sonntagsspaziergang, Köln 1942 (von links: meine Großmutter, meine Mutter und mein Großvater)

In jedem Buch versteckt sich ein wenig von dir selbst. Oft ist es für niemand erkennbar oder nur deiner Mutter fällt es auf, weil sie ihren Sohn einfach am längsten kennt, auch viele seiner Geheimnisse, viele der Geschichten und Geschichtchen, die sich vielleicht nur Mütter merken. Manches Mal nimmt sie mich dann beiseite und sagte mit verschmitzter Miene: „Ich habe dein neues Buch gelesen, diese eine Sache dort, die verstehe nur ich!“

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Kriegskinder – mein Vater

Den letzten Brief seiner Mutter hielt Onkel Otto in der Hand, als er im Lazarett in der Nähe von Charkiw (Ukraine) starb. Mit Bleistift schrieb er noch eine Nachricht darauf, bis heute hat sie niemand entziffern können.

Mein Vater, geb. 1931, wuchs in Bettorf, einem kleinen Weiler in der Nähe meines Heimatdorfes Friesenhagen auf. Der Krieg war für ihn selbst in weiter Ferne, seine Spuren hinterließ er jedoch auch in dieser Familie. Diese Spuren sollten sich viele Jahre später für mich als besonders wichtig und prägend erweisen.
Über diese Zeit zu sprechen, das fiel meinem Vater immer schwer. Besonders, wenn es um meinen Onkel Otto, in der Familie liebevoll „Männi“ genannt, ging, wallten die Gefühle in ihm auf.

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Mädchen finden nicht statt

Foto: NSDOK KölnMülheimer Edelweißpiraten 1943 am Drachenfels

Widerstand gegen den Nationalsozialismus ist männlich. Dieser Eindruck entsteht schnell, wenn man sich mit den Personen und Gruppen beschäftigt, die es wagten „dagegen“ zu sein oder sich zumindest nicht bedingungslos der nationalsozialistischen Ideologie und ihren schrecklichen Folgen zu unterwerfen. Es ist aber ein falscher Eindruck und mir war schnell klar, dass ich mit meiner Geschichte den Blick auf die Frauen oder Mädchen werfen wollte.

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Das Edelweiß war ihr Zeichen

Edelweiß-Graffiti am Bahnhof Ehrenfeld, Hinrichtungsort von Edelweißpiraten, November 1944 (Foto: priv.)

Die unangepassten Jugendlichen, die besonders im Rheinland als Edelweißpiraten bekannt wurden, waren mit dieser Betitelung nicht alle glücklich. Anfangs benutzten sie selbst die Bezeichnung auch gar nicht, obwohl sie durchaus das Edelweiß als ihr Zeichen ansahen. Den zweiten Teil des Wortes, „Piraten“, hatten ihnen nämlich die nationalsozialistischen Behörden angehängt. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass sie die Mitglieder dieser Gruppen als kriminelle, gesetzlose Abweichler betrachteten.
Was wir heute unter dem Begriff Edelweißpiraten verkürzend zusammenfassen, waren in der Zeit des Dritten Reichs vielgestaltige Gruppen und Grüppchen, meistens nicht besonders organisiert, die drei aber Merkmale vereinte:

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Vorablesen auf vorablesen.de

Noch fünf Tage, um sich um ein Freiexemplar zu bewerben!

Der Erscheinungstermin des Buches rückt näher, die Aufregung beim Autor wächst. Ich schreibe seit 20 Jahren. Es ist immer wieder aufregend, wenn ein neues Buch erscheint. Dieses Mal ist es aber mehr als aufregend. Seit ein paar Wochen, als ich die endgültigen Satzfahnen abgezeichnet habe, wächst da ein Gefühl, das tiefer geht. Ein mulmiges Gefühl. Vielleicht ein bisschen Angst? Wo die Freiheit wächst ist anders, geht deutlich tiefer. Wenn man über vier Jahre einen solchen Stoff in sich trägt, gibt es wunde Stellen, die getroffen werden können.

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89 Briefe werden ein Roman

Franz an Lene am 12. Mai 1942 (S. 90)

Bei den meisten Büchern erinnere ich mich nicht daran, wann und warum ich mich für eine bestimmte Form, Erzählstimme und Perspektive entschieden habe. Das ist oft intuitiv, ergibt sich aus ersten Schreibversuchen, manchmal ist es eine Kernszene, die sich aufdrängt und mir den Stil fast vorgibt. In diesem Fall ist es anders. Ich habe den Moment noch genau vor Augen, als diese Entscheidung fiel. Ich saß an einem der PCs in der Bibliothek des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln und hörte Tondokumente von Zeitzeugen ab. Ich war noch unsicher, wie ich mit dem Thema, dass ich mir vorgenommen hatte, umgehen sollte.

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